Die FATF Grey List ist keine schwarze Liste im eigentlichen Sinne, also kein Pranger. Vielmehr ist sie eine offizielle Aufstellung von Ländern, die zwar strategische Lücken in ihren Abwehrmechanismen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung haben, aber gleichzeitig aktiv mit der Financial Action Task Force (FATF) zusammenarbeiten, um diese Schwachstellen zu beheben.
Was die FATF Grey List wirklich bedeutet

Stellen Sie sich das globale Finanzsystem als riesiges, komplexes Gebäude vor. Die FATF agiert in diesem Bild als internationaler Brandschutzinspektor. Ihre Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass jedes Land über solide Vorkehrungen verfügt, um finanzielle «Brände» – also Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung – gar nicht erst ausbrechen zu lassen oder schnell zu löschen.
In dieser Analogie ist die Grey List kein Verzeichnis baufälliger Gebäude, die abgerissen werden müssen. Sie markiert vielmehr jene, deren Brandschutzanlagen – denken Sie an Sprinkler oder Rauchmelder – nicht ganz auf dem neuesten Stand sind. Die Eigentümer, also die Regierungen dieser Länder, haben die Mängel aber erkannt. Sie arbeiten nun Hand in Hand mit dem Inspektor, der FATF, an einem konkreten Plan, um alles wieder auf Vordermann zu bringen.
Mehr als nur eine Beobachtungsliste
Für Schweizer Unternehmen ist es entscheidend zu begreifen, dass diese Liste weit mehr ist als nur ein administrativer Vermerk. Sie fungiert als eine Art Frühwarnsystem. Sie weist auf erhöhte Risiken bei Geschäftsbeziehungen mit Partnern in diesen Ländern hin und signalisiert klar: Hier müssen Transaktionen genauer unter die Lupe genommen werden.
Eine Listung bedeutet also nicht, dass Geschäfte unmöglich werden. Sie bedeutet aber, dass ein höheres Mass an Sorgfalt – eine sogenannte verstärkte Sorgfaltspflicht – an den Tag gelegt werden muss. Die FATF erwartet von ihren Mitgliedsländern, bei Geschäftsbeziehungen mit Partnern aus diesen Jurisdiktionen besonders wachsam zu sein. Die Aufnahme in die «fatf grey list» ist somit der Startschuss für einen begleiteten und transparenten Verbesserungsprozess.
Ein Land auf der grauen Liste ist wie eine gelbe Karte im Fussball. Es ist eine ernste Verwarnung und ein klarer Auftrag, das Verhalten zu korrigieren – aber noch kein endgültiger Platzverweis. Das Spiel läuft weiter, allerdings unter verschärfter Beobachtung.
Warum die Zusammenarbeit im Zentrum steht
Der ganze Prozess ist bewusst kooperativ angelegt. Die FATF identifiziert strategische Mängel nicht, um ein Land zu bestrafen. Stattdessen entwickelt sie gemeinsam mit der betroffenen Regierung einen detaillierten Aktionsplan mit klar definierten Zielen und Fristen.
Dieser Ansatz zielt auf nachhaltige Reformen ab, nicht auf kurzfristige Sanktionen. Der Fortschritt wird dabei regelmässig überprüft, was den gesamten Prozess transparent und dynamisch macht.
Für Ihr Unternehmen heisst das, dass sich das Risikoprofil eines Landes auf der grauen Liste relativ schnell ändern kann – sowohl zum Guten als auch zum Schlechten. Diesen Mechanismus zu verstehen, ist die Grundlage, um Geschäftsrisiken korrekt einzuschätzen und Ihre Compliance-Strategie agil anzupassen.
Wie ein Land auf die graue Liste gerät
Kein Land stolpert über Nacht auf die graue Liste der FATF.Der Weg dorthin ist kein plötzliches Ereignis, sondern das Ergebnis eines langen und sehr methodischen Prozesses. Im Grunde beginnt alles mit einer tiefgehenden Überprüfung, die sich gegenseitige Evaluation (Mutual Evaluation) nennt.
Stellen Sie sich das wie eine intensive Betriebsprüfung vor, nur eben für ein ganzes Land. Experten der FATF durchleuchten die Gesetze und, noch wichtiger, die gelebte Praxis zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Finden sie dabei erhebliche strategische Lücken, geht die sprichwörtliche Warnlampe an.
Doch selbst dann folgt nicht sofort die Listung. Die FATF setzt auf Kooperation und gibt dem Land in der Regel mindestens ein Jahr Zeit, um die Mängel selbst in den Griff zu bekommen. Erst wenn in dieser Frist zu wenig passiert, wird die Aufnahme auf die graue Liste eine reale Option.
Diese Infografik fasst den Weg auf die Liste anschaulich zusammen.

Man erkennt sofort: Die Listung ist kein Endpunkt, sondern der Startschuss für einen strukturierten Prozess, der auf Zusammenarbeit und konkrete Verbesserungen abzielt.
Der Aktionsplan: Das Herzstück des Ganzen
Wird ein Land schliesslich auf die graue Liste gesetzt, passiert das nie ohne einen öffentlich einsehbaren Aktionsplan. Dieses Dokument ist der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Verfahrens und wird gemeinsam von der FATF und der Regierung des betroffenen Landes erarbeitet.
Dieser Plan ist alles andere als eine vage Absichtserklärung. Er ist eine knallharte To-do-Liste mit spezifischen, messbaren und terminierten Aufgaben. Typische Punkte auf so einer Liste sind zum Beispiel:
- Gesetze nachschärfen: Nationale Vorschriften so anpassen, dass sie den internationalen FATF-Standards entsprechen.
- Aufsicht stärken: Banken, Versicherungen und andere Finanzinstitute effektiver überwachen.
- Strafverfolgung verbessern: konkrete Erfolge bei der Verfolgung und Verurteilung von Geldwäschern vorweisen.
- Transparenz schaffen: Sicherstellen, dass die wahren wirtschaftlich Berechtigten hinter Firmenkonstrukten identifiziert werden können.
Man kann sich den Aktionsplan wie einen verbindlichen Vertrag zwischen dem Land und der Weltgemeinschaft vorstellen. Er schafft eine klare Roadmap für Reformen und stellt sicher, dass alle am gleichen Strang ziehen und der Fortschritt objektiv gemessen werden kann.
Ein Prozess unter ständiger Beobachtung
Die FATF lässt die gelisteten Länder nicht einfach machen. Dreimal im Jahr – im Februar, Juni und Oktober – überprüft sie im Rahmen ihrer Plenarsitzungen, wie weit die Länder mit ihren Aktionsplänen gekommen sind. Dieser regelmässige Takt hält den Druck aufrecht, bietet aber auch die Chance, schnell auf positive Entwicklungen zu reagieren.
Genau diese dynamische Natur des Prozesses ist entscheidend. Für die Schweiz beispielsweise ist die Entwicklung der FATF-Listen seit den 2000er-Jahren eine stetige Erinnerung daran, wie wichtig internationale Compliance für den Finanzplatz ist. Der Prozess zwingt zur regelmässigen Anpassung der nationalen Gesetze an globale Standards und schützt so die Reputation des Landes. Mehr zur Haltung der Schweiz gegenüber den FATF-Prozessen finden Sie bei der FINMA.
Ein Land bleibt so lange auf der Liste, bis es die wesentlichen Punkte seines Aktionsplans nachweislich umgesetzt hat. Der letzte Schritt ist dann oft ein Besuch vor Ort. Dabei überzeugen sich die Prüfer der FATF persönlich davon, dass die Reformen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern im Alltag auch wirklich funktionieren.
Welche Länder aktuell von der Grey List betroffen sind
Die graue Liste der FATF ist alles andere als in Stein gemeisselt. Man kann sie sich eher wie ein lebendes Dokument vorstellen, das sich dreimal im Jahr – nach den Plenarsitzungen im Februar, Juni und Oktober – verändert. Für jedes international tätige Unternehmen in der Schweiz ist es deshalb unerlässlich, diese Dynamik genau zu verfolgen. Was heute als sicher gilt, kann in wenigen Monaten schon ein erhöhtes Risiko darstellen.
Ein Land landet auf der Liste, weil es strategische Defizite in seiner Abwehr gegen Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung aufweist. Genauso wird es aber auch wieder gestrichen, sobald es die mit der FATF vereinbarten Reformen erfolgreich umsetzt. Dieser ständige Wandel macht klar: Wer seine Geschäftsrisiken korrekt bewerten und seine Compliance-Prozesse aktuell halten will, muss am Ball bleiben. Die einzig verlässliche Quelle dafür ist die offizielle Liste der FATF selbst.
Der folgende Screenshot der FATF-Website zeigt die Länder, die aktuell unter verstärkter Beobachtung stehen (sogenannte «Jurisdictions under Increased Monitoring»).

Schon ein kurzer Blick auf die alphabetische Auflistung zeigt, wie vielfältig die betroffenen Länder sind. Hier finden sich grosse Volkswirtschaften neben kleineren Finanzplätzen – ein klares Zeichen dafür, dass niemand vor einer Prüfung sicher ist.
Ein Blick hinter die Kulissen: Konkrete Beispiele
Um zu verstehen, warum ein Land auf die Liste kommt, muss man genauer hinschauen. Hinter jeder Aufnahme stecken ganz spezifische Gründe und eine lange Vorgeschichte. Die Graue Liste ist keine pauschale Verurteilung, sondern das Ergebnis einer sehr detaillierten Analyse konkreter Mängel.
Hier ein Überblick über einige der aktuell gelisteten Länder und die Gründe für ihre verstärkte Überwachung.
Ausgewählte Länder auf der FATF Grey List und ihre Kernherausforderungen
| Land | Aufnahmejahr | Identifizierte strategische Mängel (Beispiele) |
|---|---|---|
| Türkei | 2021 | Mangelnde Verfolgung komplexer Geldwäschefälle; Schwächen bei der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung, insbesondere in hochriskanten Sektoren wie Immobilien und Edelmetallhandel. |
| Südafrika | 2023 | Defizite bei der Aufdeckung von Korruptionsdelikten und Finanzverbrechen; unzureichende Transparenz bezüglich der wirtschaftlich Berechtigten von Unternehmen und Trusts. |
| Vereinigte Arabische Emirate (VAE) | 2022 | Notwendigkeit, die Verfolgung von Geldwäsche zu intensivieren, insbesondere bei Risiken, die durch Gold- und Immobiliengeschäfte entstehen; Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit. |
| Nigeria | 2023 | Schwächen bei der Identifizierung und Bewertung von Risiken im Zusammenhang mit Terrorismusfinanzierung; unzureichende Ermittlungen und Beschlagnahmung von kriminellen Vermögenswerten. |
Diese Beispiele machen deutlich, dass die FATF sehr gezielte «Hausaufgaben» verteilt.
Jedes Land hat seinen eigenen Aktionsplan abzuarbeiten. Für Unternehmen bedeutet das: Es reicht nicht, nur die Liste an sich zu kennen. Wirklich wichtig ist es, die spezifischen Risiken zu verstehen, die mit einem bestimmten Land auf dieser Liste verbunden sind.
Die Dynamik der grauen Liste im Auge behalten
Die ständigen Änderungen sind kein Zeichen von Willkür, sondern im Gegenteil ein Beweis dafür, dass der Prozess funktioniert. Länder wie die Kaimaninseln oder Jordanien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass man durch konsequente Reformen durchaus wieder von der Liste gestrichen werden kann.
Was heisst das konkret für Ihre Risikobewertung?
- Bleiben Sie auf dem Laufenden: Machen Sie es sich zur Routine, die Liste nach jeder FATF-Plenarsitzung im Februar, Juni und Oktober zu prüfen.
- Wenden Sie einen risikobasierten Ansatz an: Nicht jedes Land auf der Liste birgt das gleiche Risiko. Passen Sie die Intensität Ihrer Sorgfaltspflichten an die spezifischen Mängel des jeweiligen Landes an.
- Dokumentieren Sie alles: Halten Sie Ihre Risikobewertungen und die daraus abgeleiteten Massnahmen immer aktuell und nachvollziehbar fest. Das ist im Zweifelsfall Gold wert.
Sich proaktiv mit der aktuellen Liste auseinanderzusetzen, ist also kein unnötiger bürokratischer Aufwand. Es ist ein zentraler Baustein für ein widerstandsfähiges und vorausschauendes Risikomanagement.
Die spürbaren Folgen für Ihr Tagesgeschäft

Die FATF-Graue Liste ist viel mehr als nur ein Fachbegriff, der in Compliance-Abteilungen die Runde macht. Die Auswirkungen spüren Sie direkt im operativen Geschäft – und sie können richtig teuer werden, selbst wenn Sie gar nicht im Finanzsektor tätig sind. Sobald auch nur ein Geschäftspartner oder eine einzelne Transaktion eine Verbindung zu einem gelisteten Land hat, greifen sofort strengere Regeln.
Stellen Sie sich es wie eine Autobahn vor: Normalerweise fliessen Zahlungen und Geschäftsabschlüsse reibungslos durch. Eine Transaktion, die aber mit einem Land auf der grauen Liste zu tun hat, muss zwingend die Ausfahrt zur Sonderkontrollzone nehmen. Der Verkehr staut sich, alles wird mühsam, und Sie müssen einen Stapel zusätzlicher Papiere vorlegen, bevor die Schranke wieder aufgeht.
Dieser Umweg heisst in der Fachsprache erhöhte Sorgfaltspflichten (Enhanced Due Diligence, EDD). Und das ist keine freiwillige Vorsichtsmassnahme, sondern eine knallharte regulatorische Vorgabe.
Erhöhte Kosten und operativer Mehraufwand
In der Praxis bedeutet EDD, dass jeder einzelne Schritt einer Geschäftsbeziehung – von der ersten Kontaktaufnahme bis zur finalen Zahlung – unter die Lupe genommen wird. Das bindet nicht nur wertvolle Mitarbeiter, sondern verursacht auch ganz konkrete Kosten.
So zeigen Untersuchungen, dass Schweizer Finanzinstitute bei Zahlungen aus oder in Länder der Grauen Liste ihren Prüfaufwand praktisch verdoppeln müssen. Das Ergebnis? Eine durchschnittliche Verzögerung von 3 bis 5 Werktagen, bis das Geld endlich ankommt. Gleichzeitig steigt der administrative Aufwand bei solchen Transaktionen um bis zu 40 Prozent. Wer tiefer in die Hintergründe der Auswirkungen der FATF Grey List eintauchen will, findet hierzu weiterführende Analysen.
Konkret schlägt sich dieser Mehraufwand an verschiedenen Stellen nieder:
- Intensivere Überprüfung: Sie müssen plötzlich lückenlos nachweisen, woher Gelder stammen und wer der wirtschaftlich Berechtigte ist.
- Zusätzliche Dokumentation: Banken verlangen auf einmal mehr Belege, Verträge und Erklärungen. Der Papierkram wächst.
- Höhere Transaktionsgebühren: Den gestiegenen Compliance-Aufwand geben Finanzinstitute oft direkt in Form höherer Gebühren an Sie weiter.
- Verzögerte Prozesse: Längere Prüfzeiten können Ihre Lieferketten empfindlich stören und die Liquiditätsplanung über den Haufen werfen.
Reputationsrisiken und die Gefahr des De-Risking
Neben den direkten Kosten lauern aber auch indirekte Gefahren, die nicht weniger gravierend sind. Wenn Sie mit Partnern aus Graulistenländern zusammenarbeiten, kann das auf die Reputation Ihres eigenen Unternehmens abfärben. Andere Partner, Banken und Investoren könnten Sie plötzlich als risikoreicher einstufen. Das wiederum schadet Ihrer Kreditwürdigkeit und macht Sie als Geschäftspartner weniger attraktiv.
In einer global vernetzten Wirtschaft ist Vertrauen die härteste Währung. Eine Verbindung zu einem Land auf der FATF-Grauen Liste kann dieses Vertrauen beschädigen – selbst wenn Ihr Unternehmen alle Regeln mustergültig einhält.
Dieses erhöhte Risiko führt dazu, dass Finanzinstitute manchmal zum drastischsten Mittel greifen: dem De-Risking. Dabei kündigen sie pauschal die Geschäftsbeziehungen zu Kunden oder sogar ganzen Branchen, die Verbindungen zu Graulistenländern haben. Der Grund ist nicht etwa ein konkreter Verdacht, sondern schlichtweg, dass der Bank der Prüfaufwand zu hoch und das potenzielle Risiko zu gross erscheinen. Für ein betroffenes Unternehmen kann das den Entzug der Geschäftsgrundlage bedeuten. Eine wirksame Strategie zur Steuerung dieser Risiken ist deshalb überlebenswichtig. In unserem Artikel erfahren Sie, wie Sie ein solides Third-Party Risk Management aufbauen.
So passen Sie Ihre Compliance-Strategie richtig an
Ein wirksames Risikomanagement bedeutet, die Steuer selbst in die Hand zu nehmen, anstatt nur auf regulatorische Wellen zu reagieren. Sobald die FATF Grey List ins Spiel kommt, reicht es nicht mehr, einfach nur die üblichen Kästchen abzuhaken. Jetzt geht es darum, die internen Abläufe wirklich zu schärfen und ein System aufzubauen, das auch unter Druck standhält.
Sehen Sie Ihre Compliance-Strategie nicht als starres Regelbuch, sondern als ein lebendiges, atmendes Instrument. Das Ziel ist klar: Risiken frühzeitig aufspüren, richtig einschätzen und entschlossen handeln, bevor sie zu einem echten Problem für Ihr Unternehmen werden.
Verstärkte Sorgfaltspflichten – aber systematisch!
Der erste und wichtigste Schritt ist, einen systematischen Prozess für die erhöhte Sorgfaltspflicht (Enhanced Due Diligence, EDD) zu etablieren. Das ist keine Option, sondern eine glasklare Erwartung, sobald Sie Geschäftsbeziehungen mit Partnern aus Graulisten-Ländern unterhalten.
Die FINMA, also die Schweizer Finanzmarktaufsicht, gibt hier den Takt vor: Kundenbeziehungen und Zahlungen, die Personen oder Institutionen aus FATF-graugelisteten Ländern betreffen, müssen mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Gemäss Art. 13-14 des Schweizer Geldwäschereigesetzes (GwG) gelten solche Geschäftsbeziehungen ganz offiziell als risikoreich. Für Schweizer Unternehmen ist es daher entscheidend, die genaue Bedeutung von Jurisdiktionen unter verstärkter Beobachtung zu kennen.
Was gehört zu einem soliden EDD-Prozess?
- Herkunft der Mittel genau prüfen: Woher kommt das Geld Ihres Geschäftspartners wirklich? Eine oberflächliche Erklärung genügt nicht mehr. Sie brauchen plausible und nachvollziehbare Belege.
- Wirtschaftlich Berechtigte aufdecken: Es ist unerlässlich, die echten Personen hinter Firmengeflechten zweifelsfrei zu identifizieren und deren Hintergrund zu beleuchten.
- Laufend am Ball bleiben: Transaktionen müssen kontinuierlich auf ungewöhnliche Muster oder Abweichungen vom normalen Geschäftsverlauf überwacht werden.
Ein tiefes Verständnis der Due-Diligence-Prüfung bildet das Fundament für jede starke Compliance-Abwehr.
Technologie als Ihr stärkster Verbündeter
Mal ehrlich: Sanktions- und FATF-Listen von Hand zu überwachen, ist nicht nur eine Sisyphusarbeit, sondern auch extrem fehleranfällig. Die Listen ändern sich ständig, und eine einzige verpasste Aktualisierung kann fatale Folgen haben. Genau hier kommt moderne Technologie ins Spiel, die den ganzen Prozess automatisiert und absichert.
Moderne Screening-Systeme arbeiten in Echtzeit und gleichen Ihre Kundendatenbank pausenlos mit den neuesten Listen ab. Das spart nicht nur enorm viel Zeit, sondern minimiert auch das Risiko menschlicher Fehler auf ein Minimum.
Anstatt auf jede Änderung der FATF Grey List nur zu reagieren, bauen Sie sich mit der richtigen Technologie einen proaktiven Schutzschild auf. Sie gewinnen nicht nur an Effizienz, sondern schaffen vor allem eine nachweisbare und revisionssichere Compliance-Struktur.
Klare Prozesse und ein starkes Team
Aber Technologie allein ist nur die halbe Miete. Ihre Mitarbeitenden sind und bleiben die erste Verteidigungslinie. Ohne klares Wissen und fest definierte Abläufe laufen selbst die besten Tools ins Leere.
Deshalb stehen zwei weitere Säulen im Mittelpunkt:
- Regelmässige Schulungen: Machen Sie alle relevanten Abteilungen – vom Vertrieb bis zur Buchhaltung – fit für die Risiken, die von der FATF Grey List ausgehen. Ihre Teams müssen verdächtige Anzeichen erkennen und genau wissen, was dann zu tun ist.
- Definierte Eskalationspfade: Was passiert, wenn ein System einen Treffer meldet? Wer ist dann zuständig? Wer trifft die finale Entscheidung? Ein klarer Eskalationsprozess sorgt dafür, dass kritische Fälle schnell und korrekt bearbeitet werden, ohne dass das Tagesgeschäft unnötig blockiert wird.
Wenn Sie systematische Sorgfalt, intelligente Technologie und gut geschulte Mitarbeitende kombinieren, verwandeln Sie eine regulatorische Last in einen echten strategischen Vorteil. So schützen Sie nicht nur Ihr Unternehmen vor finanziellen Schäden und Reputationsverlust, sondern stärken auch das Vertrauen Ihrer Partner und Kunden in Ihre Professionalität.
Die wichtigsten Fragen zur grauen Liste der FATF
Hier finden Sie Antworten auf die Fragen, die uns in der Praxis am häufigsten begegnen. Kurz, klar und auf den Punkt gebracht, damit Sie schnell den Überblick gewinnen.
Grau oder schwarz – wo liegt der Unterschied?
Die graue und die schwarze Liste der FATF sind zwei komplett unterschiedliche Paar Schuhe. Stellen Sie es sich wie eine Ampel vor: Die graue Liste ist das orange Blinklicht – es mahnt zur Vorsicht. Die schwarze Liste hingegen ist das tiefrote Stoppsignal.
- Die graue Liste der FATF: Hier landen Länder, die zwar Lücken in ihrer Abwehr von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung haben, aber aktiv mit der FATF zusammenarbeiten, um diese Probleme zu lösen. Es gibt einen konkreten Aktionsplan und den Willen zur Besserung.
- Die schwarze Liste der FATF: Auf dieser Liste stehen hochriskante Länder mit so gravierenden Mängeln, dass sie als Gefahr für das globale Finanzsystem gelten. Diese Länder sind unkooperativ, weshalb die FATF alle Mitglieder zu Schutzmassnahmen aufruft, was oft harten Sanktionen gleichkommt.
Der springende Punkt ist also die Kooperationsbereitschaft. Ein Land auf der grauen Liste ist auf dem Weg der Besserung. Ein Land auf der schwarzen Liste ist eine akute Bedrohung.
Wie kommt ein Land wieder von der grauen Liste runter?
Ein Land wird nicht einfach so von der Liste gestrichen. Dahinter steckt ein harter, nachweisbarer Prozess. Der Schlüssel zum Erfolg ist die lückenlose Umsetzung des gemeinsam mit der FATF erarbeiteten Aktionsplans.
Den Höhepunkt dieses Prozesses bildet eine intensive Prüfung, die meist einen Vor-Ort-Besuch von FATF-Experten einschliesst. Diese Delegation schaut ganz genau hin, ob die neuen Gesetze und Regeln nicht nur auf dem Papier stehen, sondern im Alltag auch wirklich funktionieren. Erst wenn die FATF restlos überzeugt ist, dass die Mängel dauerhaft beseitigt sind, wird das Land offiziell von der Liste genommen. Erfolgsgeschichten wie die der Kaimaninseln oder Jordanien zeigen, dass sich dieser Aufwand lohnt.
Von der Liste gestrichen zu werden, ist kein Gnadenakt, sondern das Ergebnis knallharter Arbeit und echter Fortschritte. Es signalisiert der Welt: Dieses Land nimmt seine Verantwortung ernst und ist wieder ein verlässlicher Partner.
Betrifft die FATF Grey List eigentlich nur Banken?
Nein, absolut nicht. Das ist ein Trugschluss, dem viele erliegen. Natürlich stehen Banken und Finanzinstitute im Scheinwerferlicht, doch die Wellen schlagen viel weiter. Die erhöhten Sorgfaltspflichten treffen eine ganze Reihe von Branchen.
Dazu zählen auch die sogenannten «designierten nicht-finanziellen Unternehmen und Berufe» (DNFBPs). Konkret heisst das zum Beispiel:
- Rechtsanwälte und Notare
- Treuhandgesellschaften
- Immobilienmakler
- Händler von Edelmetallen und Luxusgütern
Letztlich kann jedes international tätige Unternehmen die Folgen spüren. Ob durch verzögerte Zahlungen, weil die Banken genauer hinschauen, oder durch ein generell höheres Länderrisiko – die graue Liste kann Geschäftsabläufe empfindlich stören und unerwartete Kosten verursachen.
Wo finde ich die offizielle und aktuelle FATF Grey List?
Es gibt nur eine Quelle, der Sie zu 100 % vertrauen können: die offizielle Webseite der Financial Action Task Force (FATF-GAFI). Die Liste wird dreimal pro Jahr aktualisiert, immer nach den grossen Plenarsitzungen im Februar, Juni und Oktober.
Verlassen Sie sich bitte ausschliesslich auf diese Primärquelle. Veraltete Informationen aus Nachrichtenportalen oder Blogartikeln können zu fatalen Fehleinschätzungen in Ihrer Risikobewertung führen. Auf der FATF-Webseite finden Sie ausserdem zu jedem Land detaillierte Berichte, die genau erklären, wo die Probleme liegen und was im Aktionsplan steht.