Was ist Due Diligence? Ein praxisnaher Leitfaden für Schweizer KMU
Wer im Geschäftsleben eine grosse Entscheidung trifft – sei es eine Firmenübernahme, eine Fusion oder eine wichtige Investition – will wissen, worauf er sich einlässt. Genau hier kommt die Due Diligence ins Spiel. Man kann sie sich als eine Art TÜV für Unternehmen vorstellen: eine tiefgehende, sorgfältige Prüfung, bevor man seine Unterschrift unter einen Vertrag setzt.
Das Ziel ist es, die Stärken und Schwächen, aber vor allem die versteckten Risiken eines Unternehmens aufzudecken. Ohne diesen Prozess gleicht ein Firmenkauf einem Glücksspiel.
Due Diligence als unternehmerisches Schutzschild verstehen
Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Haus. Sie würden es doch niemals ungesehen erwerben, oder? Sie würden wahrscheinlich einen Gutachter beauftragen, der das Fundament, die Elektrik und das Dach prüft. Genau diese Rolle übernimmt die Due Diligence in der Geschäftswelt – der unverzichtbare Blick hinter die Kulissen.

Mehr als nur eine Formalität
Due Diligence ist weit mehr als nur das Abarbeiten einer bürokratischen Checkliste. Es ist eine entscheidende unternehmerische Sorgfaltsprüfung, die als finanzielles und rechtliches Schutzschild fungiert. Im Kern geht es darum, vollständige Transparenz zu schaffen und sicherzustellen, dass alle Beteiligten auf der Basis derselben geprüften Informationen verhandeln.
Der Prozess hilft dabei, den tatsächlichen Wert eines Unternehmens zu ermitteln und die Annahmen zu überprüfen, die einem Angebot zugrunde liegen. Ohne diese tiefgehende Analyse ist eine Transaktion ein Blindflug – und unliebsame Überraschungen sind da fast schon vorprogrammiert.
Kernziele der Prüfung im Überblick
Eine professionell durchgeführte Due Diligence verfolgt mehrere strategische Ziele. Es geht nicht nur darum, die Bilanzen zu prüfen, sondern um ein 360-Grad-Bild des Zielunternehmens zu erhalten.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Ziele zusammen, die eine sorgfältige Due-Diligence-Prüfung verfolgt.
| Ziel | Beschreibung |
|---|---|
| Risikoidentifikation | Das Aufdecken potenzieller rechtlicher, finanzieller, steuerlicher oder operativer „Stolpersteine“, die nach der Übernahme zu teuren Problemen werden könnten. |
| Bewertungsprüfung | Die Validierung des Kaufpreises erfolgt durch eine genaue Analyse der finanziellen Gesundheit, der Marktstellung und der Zukunftsaussichten des Unternehmens. |
| Chancen erkennen | Die Identifikation von ungenutzten Potenzialen, Synergien oder Wachstumschancen, die den Wert der Investition nach dem Kauf steigern könnten. |
| Informationsasymmetrie reduzieren | Die Sicherstellung, dass der Käufer alle relevanten Informationen besitzt und dem Verkäufer gegenüber nicht im Nachteil ist. |
Kurz gesagt: Die Due Diligence ist das Fundament für fundierte Entscheidungen und hilft dabei, kostspielige Fehler zu vermeiden. Sie gibt Ihnen die Sicherheit, dass Sie genau wissen, worauf Sie sich einlassen, bevor die Tinte unter dem Vertrag trocken ist.
Die verschiedenen Facetten der Due Diligence Prüfung
Eine Due Diligence läuft nicht nach Schema F ab. Man kann sie sich eher wie einen gut sortierten Werkzeugkasten vorstellen: Je nach Projekt – sei es eine Firmenübernahme, eine Finanzierungsrunde oder eine Partnerschaft – wählt man die passenden Instrumente aus. Die Branche, die Grösse des Unternehmens und die konkreten Ziele der Transaktion bestimmen, welche Bereiche man sich ganz genau ansehen muss.

Stellen Sie sich ein aufstrebendes Schweizer Technologie-KMU vor, das frisches Kapital sucht. Ein potenzieller Investor wird sich natürlich die Zahlen ansehen, aber er will das grosse Ganze verstehen. Er will wissen, worauf er sich einlässt. Genau hier greifen die verschiedenen Arten der Due Diligence ineinander und liefern ein umfassendes, dreidimensionales Bild des Unternehmens.
Finanzielle Due Diligence
Die Financial Due Diligence ist meistens der Dreh- und Angelpunkt. Hier geht es ans Eingemachte: Experten durchleuchten die finanzielle Gesundheit des Unternehmens. Es reicht nicht, auf den ausgewiesenen Gewinn zu schauen. Man will wissen: Ist dieser Gewinn nachhaltig oder nur das Ergebnis eines einmaligen Sondereffekts?
- Bilanzanalyse: Was gehört dem Unternehmen wirklich (Vermögenswerte) und wo steht es in der Kreide (Schulden)?
- Erfolgsrechnung: Wie solide ist die Umsatz- und Kostenstruktur? Wo wird das Geld verdient, und wo fliesst es ab?
- Cashflow-Analyse: Wie flüssig ist das Unternehmen tatsächlich? Papier ist geduldig, aber am Ende zählt, was auf dem Konto ist.
Dieser finanzielle „Gesundheitscheck“ zeigt, ob die Zahlen die Realität widerspiegeln und welche Risiken sich vielleicht hinter schönen Fassaden verbergen.
Rechtliche Due Diligence
Parallel dazu nimmt die Legal Due Diligence das rechtliche Gerüst unter die Lupe. Anwälte wühlen sich durch Verträge, Lizenzen, Patente und Genehmigungen, um rechtliche Zeitbomben zu entschärfen. Ein ausgelaufenes Patent, eine vergessene Klausel in einem Kundenvertrag oder ein schwelender Rechtsstreit können den Wert eines Unternehmens massiv beeinträchtigen. Ein oft unterschätzter, aber kritischer Punkt ist hier das Management von Risiken, die von Dritten ausgehen. Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel über das Third-Party-Risk-Management.
Eine saubere rechtliche Prüfung ist Gold wert. Sie deckt Haftungsrisiken auf, die in keiner Bilanz auftauchen, aber schnell zur existenziellen Bedrohung werden können.
Weitere wichtige Prüfungsbereiche
Je nach Geschäftsmodell und Branche kommen weitere Spezialisten ins Spiel, um das Gesamtbild zu vervollständigen.
- Commercial Due Diligence: Wie steht das Unternehmen im Markt da? Wer sind die Konkurrenten und ist das Geschäftsmodell auch in fünf Jahren noch tragfähig?
- Tax Due Diligence: Hier geht es um steuerliche Risiken. Niemand will nach einer Übernahme eine böse Überraschung vom Steueramt erleben.
- Technical Due Diligence: Besonders bei Tech-Firmen unerlässlich. Wie gut ist die IT-Infrastruktur? Ist der Quellcode der Software sauber oder ein „Spaghetti-Code“?
- Environmental Due Diligence: Bei Industrieunternehmen ein Muss. Gibt es Altlasten auf dem Grundstück, die teuer saniert werden müssen?
Ein solides Verständnis der Governance, Risk und Compliance (GRC)-Struktur ist der rote Faden, der sich durch all diese Bereiche zieht.
Eine ganz spezielle Form ist die Customer Due Diligence (CDD), die in der Schweiz vor allem für Finanzinstitute eine riesige Rolle spielt. Weltweit wurden allein im Jahr 2021 Finanzinstitute mit Strafen von rund 2,7 Milliarden US-Dollar belegt, weil sie ihre Sorgfaltspflichten vernachlässigt hatten. Die strengen Vorschriften verlangen, dass Banken ihre Kunden genau kennen, bevor sie eine Geschäftsbeziehung eingehen. Das ist kein Misstrauen, sondern ein entscheidendes Werkzeug, um Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung zu verhindern.
Wie läuft eine Due Diligence in der Praxis ab?
Eine Due Diligence ist keine trockene Buchprüfung, sondern eher eine strategische Mission. Stellen Sie es sich wie eine sorgfältig geplante Expedition vor: Jede Etappe ist durchdacht, die richtigen Experten sind an Bord und das Ziel ist klar. Dieser strukturierte Ablauf sorgt dafür, dass alle relevanten Informationen effizient gesammelt und analysiert werden, ohne das Tagesgeschäft des Zielunternehmens lahmzulegen.
Der Prozess beginnt nicht erst mit dem Öffnen der Geschäftsbücher, sondern schon viel früher – mit einer klaren strategischen Absicht und akribischer Vorbereitung.
Phase 1: Vorbereitung und den Rahmen abstecken
Alles beginnt mit der Planung. In diesem ersten, entscheidenden Schritt wird festgelegt, was genau unter die Lupe genommen werden soll (der sogenannte Scope) und welche Spezialisten dafür gebraucht werden. Üblicherweise unterzeichnen hier beide Seiten eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA), damit sensible Daten auch wirklich sensibel bleiben.
Danach entsteht die detaillierte Anforderungsliste, die Due Diligence Checklist. Man kann sich als den Fahrplan für die gesamte Prüfung vorstellen. Sie listet präzise auf, welche Dokumente und Informationen der Verkäufer bereitstellen muss. Ein sauber definierter Scope ist Gold wert, denn er verhindert, dass man sich in unwichtigen Details verliert, und stellt sicher, dass die wirklich kritischen Risikobereiche im Fokus stehen.
Phase 2: Informationen sammeln im Datenraum
Sobald die Checklist steht, geht es ans Sammeln der Fakten. Heutzutage passiert das fast ausschliesslich in einem virtuellen Datenraum (VDR). Das ist im Grunde eine hochsichere Online-Plattform, auf die der Verkäufer alle angeforderten Dokumente hochlädt.
Der Käufer und sein Beraterteam erhalten dann Zugang und können die Unterlagen systematisch durchforsten. Ein gut strukturierter Datenraum ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Er ermöglicht es den verschiedenen Expertenteams – Anwälten, Wirtschaftsprüfern, Steuerexperten – parallel zu arbeiten und sich auf ihre jeweiligen Fachgebiete zu konzentrieren.
Die folgende Grafik bringt die drei Kernphasen der Due Diligence auf den Punkt.

Man sieht hier sehr schön, wie der Prozess von einer breiten Datensammlung über eine fokussierte Analyse zu einem verdichteten, aussagekräftigen Ergebnis führt.
Phase 3: Analyse und Gespräche mit dem Management
Jetzt wird es richtig spannend, denn hier schlägt das Herz des gesamten Prozesses. Die Expertenteams wühlen sich durch die Dokumente und suchen nach potenziellen Risiken, den sogenannten «Red Flags». Jedes Dokument wird auf Herz und Nieren geprüft: Ist der Inhalt korrekt? Ist es rechtlich wasserdicht? Welche wirtschaftliche Bedeutung hat es?
Während dieser Analyse tauchen natürlich Fragen oder Unklarheiten auf. Diese werden in einer Q&A-Liste (Fragen und Antworten) gesammelt und dem Verkäufer übermittelt. Ein Teil wird schriftlich geklärt, doch oft sind gezielte Interviews mit dem Management des Zielunternehmens unerlässlich.
Diese direkten Gespräche sind unbezahlbar. Sie erlauben einen Blick hinter die Kulissen, jenseits der reinen Zahlen und Fakten, und vermitteln ein Gefühl für die Unternehmenskultur, die Strategie und die Vision der Führungsebene.
Ein zentraler Punkt in dieser Phase ist auch die Überprüfung von Geschäftspartnern und Schlüsselpersonen. Um Compliance-Risiken wie Geldwäscherei aufzudecken, sind spezialisierte Prüfungen notwendig. Wie eine automatisierte AML-Check-API diesen Prozess unterstützen kann, ist ein Thema für sich.
Phase 4: Der Abschlussbericht – alles auf einen Blick
Am Ende fassen die Berater ihre gesamten Erkenntnisse im Due Diligence Report zusammen. Das ist weit mehr als eine blosse Aufzählung von Dokumenten; es ist eine bewertete Analyse, die alles auf den Punkt bringt.
Typischerweise enthält der Bericht:
- Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse (Executive Summary) für die schnelle Übersicht.
- Eine detaillierte Beschreibung der identifizierten Risiken (der «Red Flags»).
- Konkrete Handlungsempfehlungen, zum Beispiel für Anpassungen am Kaufpreis oder für bestimmte Garantieklauseln im Kaufvertrag.
Dieser Report ist die ultimative Entscheidungsgrundlage für den Käufer. Auf dieser Basis entscheidet er, ob er die Transaktion wie geplant durchzieht, die Konditionen neu verhandelt oder im schlimmsten Fall den Deal komplett platzen lässt.
Die rechtlichen Spielregeln für Schweizer Unternehmen
Eine Due Diligence ist heute weit mehr als nur unternehmerische Vorsicht – sie entwickelt sich immer stärker zu einer rechtlichen Notwendigkeit. In der Schweiz bildet ein solides rechtliches Gerüst das Fundament für sichere Transaktionen und eine verantwortungsvolle Unternehmensführung. Ohne dieses Fundament bewegen sich Firmen auf dünnem Eis, wo versteckte Haftungsrisiken nur auf den richtigen Moment warten.
Die Grundlage für viele Deals bildet das Schweizer Obligationenrecht (OR). Es legt die grundlegenden Pflichten bei Firmenkäufen fest, zum Beispiel Gewährleistungsansprüche, falls nach der Übernahme plötzlich Mängel auftauchen. Eine sauber durchgeführte Due Diligence ist hier die beste Versicherung, um solche bösen Überraschungen von vornherein auszuschliessen und die Garantien im Kaufvertrag präzise zu formulieren.
Pflichten des Verwaltungsrats und die neuen EU-Regeln
Gerade für den Verwaltungsrat ist die Sorgfaltspflicht, wie sie in Art. 717 OR festgeschrieben ist von entscheidender Bedeutung. Seine Aufgabe ist es, alle Entscheidungen auf einer fundierten Informationsgrundlage zu treffen. Fällt eine Due Diligence zu dünn aus, kann das im Ernstfall als Pflichtverletzung gewertet werden – und zur persönlichen Haftung führen.
Doch die rechtlichen Anforderungen bleiben nicht stehen, schon gar nicht an den Schweizer Grenzen. Ein grosser Treiber ist die neue EU-Sorgfaltspflichtenrichtlinie (CSDDD), die auch viele Schweizer Unternehmen betrifft, die im EU-Raum aktiv sind. Sie zwingt Firmen, ihre gesamten Lieferketten auf Risiken für Menschenrechte und Umwelt zu durchleuchten. Im Rahmen der Legal Due Diligence rückt hierbei auch die Prüfung der technischen und organisatorischen Massnahmen (TOM) in den Fokus, mit denen ein Unternehmen Daten entlang dieser komplexen Lieferketten schützt.
Was in Brüssel beschlossen wird, hat direkte Auswirkungen auf den Werkplatz Schweiz. Wer im EU-Markt mitspielen will, kommt an diesen neuen, strengeren Sorgfaltspflichten nicht mehr vorbei – ob direkt oder indirekt.
Am 23. Februar 2022 legte die EU den Entwurf der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) vor. Schätzungen gehen davon aus, dass in der Schweiz zwischen 10’000 und 50’000 Unternehmen direkt betroffen sein könnten, da sie ihre Prozesse in der Beschaffung und Buchhaltung anpassen müssen. Mehr zu den Auswirkungen der CSDDD auf die Schweiz im Detail erfahren Sie hier.
Proaktive Compliance als Wettbewerbsvorteil
Die Richtung ist klar: Compliance wird immer vielschichtiger. Es reicht nicht mehr, nur die eigenen Bücher im Griff zu haben. Man muss auch die seiner Partner und Lieferanten kennen. Eine proaktive Haltung und der Aufbau solider Compliance-Systeme sind daher kein nettes Extra mehr, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil. Besonders im Finanzsektor sind die Anforderungen extrem hoch, wie Sie in unserem Artikel über Compliance in Banken nachlesen können.
Sich an diese neuen rechtlichen Spielregeln anzupassen, sichert nicht nur die Rechtskonformität. Es stärkt auch die eigene Reputation und das Vertrauen von Kunden, Investoren und Partnern. Letztlich ist es eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens.
Warum Due Diligence für KMU überlebenswichtig ist
Der Gedanke, eine Due Diligence sei nur etwas für Grosskonzerne bei Milliardendeals, ist ein gefährlicher Irrglaube. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist eine sorgfältige Prüfung vor einer strategischen Entscheidung nicht nur wichtig, sondern oft schlicht existenziell.

Ein grosser Konzern kann eine fehlgeschlagene Übernahme oder eine problematische Partnerschaft finanziell meist wegstecken. Für ein KMU hingegen kann eine solche Fehlentscheidung schnell das Ende bedeuten. Die Ressourcen sind einfach viel knapper, und es gibt selten ein finanzielles Polster, das die Folgen eines teuren Fehlgriffs abfedern könnte.
Typische Szenarien und ihre Fallstricke
Denken Sie nur mal an zwei ganz klassische Situationen, in denen ein KMU ohne gründliche Prüfung ein riesiges Risiko eingeht:
- Die Nachfolgeregelung: Der Gründer eines erfolgreichen Familienbetriebs möchte sein Lebenswerk in neue Hände geben. Ohne eine saubere Due Diligence weiss der Nachfolger nicht, ob im Verborgenen vielleicht versteckte Steuerschulden, unklare Lieferantenverträge oder gar schwelende Rechtsstreitigkeiten lauern.
- Der Einstieg eines Investors: Ein aufstrebendes Start-up braucht frisches Kapital, um richtig durchzustarten. Ein Investor wird aber nur dann Geld in die Hand nehmen, wenn er sicher sein kann, dass die Finanzen sauber, die Technologie rechtlich geschützt und das Geschäftsmodell wirklich tragfähig sind.
In beiden Fällen geht es um das Gleiche: Vertrauen durch Transparenz zu schaffen. Eine gute Prüfung deckt nicht nur die Risiken auf. Sie bestätigt auch den Wert des Unternehmens und schafft eine solide, faire Basis für die Verhandlungen.
Für ein KMU ist die Due Diligence keine lästige Pflicht, sondern eine strategische Notwendigkeit. Sie schützt das Lebenswerk des Gründers, sichert die Zukunft des Unternehmens und schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum.
Ressourcenknappheit ist keine Ausrede
Natürlich höre ich oft das Argument: „Wir sind ein KMU, wir haben gar nicht die Ressourcen für so etwas.“ Eine umfassende Prüfung kann teuer sein, das stimmt. Aber die Kosten, die entstehen, wenn man es nicht tut, sind fast immer um ein Vielfaches höher. Der Schlüssel liegt in einem pragmatischen und fokussierten Vorgehen.
Eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) und der Universität Zürich hat genau das zwischen 2020 und 2023 untersucht. Dabei zeigte sich, dass grössere Firmen dank ihrer Ressourcen oft besser aufgestellt sind, während KMU Mühe haben, die Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen. Das unterstreicht, wie wichtig pragmatische, machbare Lösungen sind. Die detaillierten Erkenntnisse zur Umsetzung der Sorgfaltspflichten in der Schweiz können Sie hier nachlesen.
Auch mit begrenztem Budget kann ein KMU eine wirksame Due Diligence meistern. Es kommt auf die richtige Strategie an:
- Den Fokus richtig setzen: Man muss nicht alles bis ins letzte Detail durchleuchten. Konzentrieren Sie sich auf die Bereiche mit dem höchsten Risiko. Bei einer Softwarefirma sind das ganz klar die IT und das geistige Eigentum. Bei einem Produktionsbetrieb hingegen stehen eher Umweltauflagen und die Lieferketten im Vordergrund.
- Gezielte Expertise einholen: Sie brauchen nicht für jeden Bereich ein grosses Beraterteam. Oft reicht es völlig aus, punktuell einen spezialisierten Anwalt oder einen Treuhänder für die wirklich kritischen Fragen beizuziehen.
Am Ende ist die Frage nicht, ob sich ein KMU eine Due Diligence leisten kann. Die eigentliche Frage lautet: Kann es sich ein KMU leisten, darauf zu verzichten? Und die Antwort darauf ist in den allermeisten Fällen ein klares Nein.
Häufige Fragen aus der unternehmerischen Praxis
Wer zum ersten Mal eine Due Diligence plant oder durchläuft, hat meist ähnliche Fragen im Kopf. Was kommt da genau auf uns zu? Wie viele Ressourcen müssen wir einplanen? Und was ist der Unterschied zu einer normalen Betriebsprüfung? Diese Unsicherheit ist ganz normal.
Hier habe ich die häufigsten Fragen aus der Praxis für Sie zusammengetragen, um Ihnen klare und direkte Antworten an die Hand zu geben.
Wie lange dauert eine Due Diligence wirklich?
Eine Standard-Antwort gibt es hier leider nicht, denn die Dauer hängt immer vom Einzelfall ab. Entscheidend sind die Grösse und Komplexität des Unternehmens, das geprüft wird, und wie tief man in die Bücher schauen will. Aber es gibt ein paar gute Richtwerte.
- Bei einem kleineren, überschaubaren KMU: Hier ist der Prozess oft in vier bis sechs Wochen zu schaffen. Das klappt aber nur, wenn alle Unterlagen sauber aufbereitet und schnell verfügbar sind.
- Bei grösseren, internationalen Transaktionen: Da kann sich eine Prüfung gut und gerne über mehrere Monate hinziehen. Oft müssen verschiedene Rechtssysteme und sehr verschachtelte Firmenstrukturen durchleuchtet werden, was einfach Zeit braucht.
Letztendlich hängt ein zügiger Ablauf immer von zwei Dingen ab: der Qualität der Unterlagen im Datenraum und der Kooperationsbereitschaft beider Seiten. Ein klarer Zeitplan und eine offene, ehrliche Kommunikation sind die besten Werkzeuge, um den Prozess nicht unnötig in die Länge zu ziehen.
Mit welchen Kosten muss ich für eine Due Diligence rechnen?
Auch hier gilt: Die Kosten hängen direkt vom Umfang und der Tiefe der Prüfung ab. Der mit Abstand grösste Posten sind die Honorare für die externen Experten – Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und manchmal auch technische Spezialisten.
Sehen Sie diese Ausgaben aber besser nicht als blosse Kosten, sondern als eine Investition in die Risikominimierung. Die finanziellen Konsequenzen einer schlechten oder gar keiner Prüfung können um ein Vielfaches höher sein als die Kosten für eine professionelle Due Diligence. Ein einziges unentdecktes Haftungsrisiko kann den Wert der gesamten Investition pulverisieren.
Die Frage ist nicht, was eine gute Due Diligence kostet, sondern was es kostet, keine zu machen. Die Antwort darauf kann für ein Unternehmen existenzbedrohend sein.
Für ein KMU beginnen die Kosten oft im fünfstelligen Bereich. Bei komplexen M&A-Deals mit internationalem Bezug können aber auch schnell sechs- oder sogar siebenstellige Summen zusammenkommen.
Wer führt eine Due-Diligence-Prüfung durch?
In der Praxis ist das fast immer ein Teamspiel. Auf der Käuferseite gibt es ein internes Team, das den Prozess steuert, die Ziele festlegt und als zentraler Ansprechpartner fungiert. Für die Detailprüfung selbst holt man sich aber fast immer externe Spezialisten ins Boot. Kaum ein Unternehmen hat all die benötigten Fachexperten selbst an Bord.
Ein typisches externes Prüfungsteam besteht aus:
- Anwaltskanzleien: Sie kümmern sich um die Legal Due Diligence und nehmen alle rechtlichen Aspekte unter die Lupe.
- Wirtschaftsprüfungsgesellschaften: Ihre Domäne ist die Financial und Tax Due Diligence – also die Analyse der Finanzen und Steuern.
- Unternehmens- oder Branchenberater: Sie werden hinzugezogen, wenn es um die Commercial oder Technical Due Diligence geht, um den Markt, den Wettbewerb oder die Technologie zu bewerten.
Was unterscheidet eine Due Diligence von einem normalen Audit?
Obwohl beide Prüfungen sind, haben sie völlig unterschiedliche Ziele und Blickwinkel. Ein Audit, also eine klassische Jahresabschlussprüfung, blickt in den Rückspiegel. Ein Wirtschaftsprüfer bestätigt hier im Grunde nur, dass die Buchhaltung und der Jahresabschluss der Vergangenheit den geltenden Regeln entsprechen.
Eine Due Diligence hingegen schaut durch die Windschutzscheibe nach vorne. Sie wird für eine ganz konkrete Transaktion durchgeführt und soll alle Risiken und Chancen für eine Zukunftsentscheidung aufdecken. Sie geht weit über die reinen Finanzzahlen hinaus und beleuchtet strategische, operative und rechtliche Themen, die für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens entscheidend sind.